Sachkundenachweis schön und gut. auch für alle fälle?

Er ist längst überfällig und er wird kommen: Der Sachkundenachweis für Immobilienmakler.

Bislang darf sich jeder, der ein entsprechendes Gewerbe angemeldet hat, als Immobilienmakler bezeichnen. Auch ganz ohne Ausbildung. Die Einstiegshürde für diesen anspruchsvollen Beruf ist sehr gering. Keine Vorstrafen und geordnete Vermögensverhältnisse reichen in der Regel schon aus. Damit soll künftig Schluss sein. Das Bundeskabinett hat am 31.08.2016 den Sachkundenachweis für Immobilienmakler beschlossen. Grundsätzlich eine gute Sache.

Wer eine Immobilie erfolgreich vermitteln will, sollte auch über eine entsprechende Sachkunde verfügen. Doch schützt der kommende Nachweis der Sachkunde auch vor sogenannten schwarzen Schafen?

Man könnte jetzt annehmen, dass die Wahl des richtigen Maklers für Eigentümer die eine Immobilie verkaufen möchten, in Zukunft einfacher wird. Nach dem Motto: Je qualifizierter der Makler, desto erfolgreicher der Verkauf! Das wäre zwar wünschenswert, doch in der Praxis hat der Vertrieb grundsätzlich seine eigenen Gesetze. Sonst wäre jeder Architekt oder Bauingenieur automatisch ein guter Vertriebsprofi. Umgekehrt kann ein Quereinsteiger trotz (noch) nicht nachgewiesener Sachkunde erfolgreich Immobilien vermitteln.

keine Versicherungspflicht

Der Sachkundenachweis kann lediglich eine Basis bilden, um die Tätigkeit des Immobilienmaklers auszuüben. Ähnlich wie man zum Autofahren einen Führerschein benötigt. Übrigens muss jedes Auto in Deutschland versichert sein. Weshalb man bei Immobilienmaklern trotz Sachkunde (noch) auf eine Versicherungspflicht verzichtet, ist mir ein Rätsel. Wir verfügen bereits heute schon über einen umfangreichen Versicherungsschutz bei Hiscox. Unsere Kunden sind daher immer auf der sicheren Seite, selbst wenn uns mal ein Fehler unterlaufen sollte.

Die Sachkunde kann erworben werden, gegen versehentliche Fehler kann man sich versichern. Doch jetzt stellt sich noch die Frage nach den „schwarzen Schafen“, die nicht die Regel, aber dennoch für den schlechten Ruf der Branche verantwortlich sind. Wann spricht man eigentlich von einem „schwarzen Schaf“ in der Immobilienbranche?

Nur ein Beispiel von vielen

Zum Beispiel wenn ein Verkauf vielleicht sogar im wahrsten Sinne des Wortes „schwarz“ abgewickelt wird. Der Immobilienmakler vereinbart keinen schriftlichen Verkaufsauftrag mit dem Eigentümer und inseriert es stattdessen unter dem Namen des Eigentümers in einem Kleinanzeigenportal. Wenn dann noch dieselbe Immobilie von diesem „Makler“ vorher offiziell über ein Maklerunternehmen angeboten wurde, für dass er in der Angelegenheit bereits tätig war, hat das ein ganz besonderes „Geschmäckle“. Auch „Makler“ die bei Besichtigungen als Privatmann auftreten gibt es hin und wieder.

Das ist eine Charaktersache. Und deshalb schützt hier meiner Meinung nach weder der Sachkundenachweis, noch ein Studium.

Andreas Brauer - 09.10.2016