Weniger ist mehr? Oder Viel hilft viel?

Ohne Werbung läuft nichts. In keiner Branche und in keinem Business. Stellt sich nur die Frage: Wie viel Werbung ist sinnvoll und wie präsentiere ich mein Unternehmen nach außen? Dazu schreibe ich heute über unser Marketing in der Immobilienbranche.

Als wir Anfang 2015 unser Immobilienbüro in der Gelnhäuser "Röther Gasse" am Rande der historischen Altstadt eröffneten, beschäftigten wir uns genau mit diesem Thema. Da wir zu diesem Zeitpunkt noch über kein Angebot verfügten, konnten wir uns ausreichend Gedanken über unsere Firmenwerbung machen.

Am Anfang steht immer die regionale Marktbeobachtung. Also wurde das Internet und die Zeitung studiert. Besonders aufgefallen ist mir dabei, dass einige Makler ihr Gesicht in allen Medien regelmäßig überdimensional präsentierten. Aus Frankfurt oder Wiesbaden kannte ich das in dieser Häufigkeit nicht. Handelt es sich hier im ländlichen Gebiet über besondere Gepflogenheiten? Bei einem Mitbewerber dachte ich erst, es müsste sich um einen Film- oder Rockstar handeln. Egal welche Zeitung man aufschlug, das Konterfei war allgegenwärtig. Stets im Vordergrund, die Immobilien selbst rückten hingegen in den Hintergrund. Handelte es sich hier um eine gewisse Selbstverliebtheit oder habe ich ganz einfach diese besondere Werbestrategie dahinter nicht verstanden?

Immerhin kosten Immobilienanzeigen in der Printwerbung viel Geld. Wäre es da nicht sinniger die meisten mm oder cm in den Immobilientext zu investieren, anstatt in Bildern der Inhaber? Als Auftraggeber würde ich mir hierzu meine Gedanken machen. Denn wer oder was soll denn in erster Linie vermittelt werden?

Selbstverständlich braucht jedes Unternehmen ein Gesicht. Kunden interessiert es immer, welche Personen hinter der der Firma stehen. Nur über das richtige Maß lässt sich diskutieren. Wir haben uns dazu entschlossen unsere Visitenkarten mit Bild auszustatten, damit unsere zukünftigen Kunden wissen wer wir sind.

Bei der Gestaltung unserer Schaufenster achteten wir darauf, diese nicht zu überladen. Lieber etwas kreativer in der Idee, dafür etwas weniger. Apropos weniger: Vom Büro aus konnte ich täglich die Firmenfahrzeuge von Kollegen sehen. Meist handelte es sich um kleine Flitzer, beklebt wie eine fahrende Litfaßsäule. Darauf verzichten wir ganz bewusst. Erst letzte Woche sagte ein Immobilienverkäufer zu mir: "Schön dass Sie keine Werbung am Auto haben, die Nachbarn müssen ja nicht gleich wissen, dass wir verkaufen möchten ...". Diskretion ist bei der Immobilienvermittlung sehr wichtig.

Selbst aus vorbeifahrenden Bussen und beim Einkaufen im Supermarkt lächelte der Mitbewerb. Was mag das alles kosten? Und wer zahlt das am Ende?

Immerhin sind die lokalen Makler schon seit vielen Jahren erfolgreich am Markt tätig. So verkehrt kann die Strategie der "Werbemasse" also nicht sein.

Da wir am Anfang als kleines Start-Up-Unternehmen noch über kein großes Marketingbudget verfügten, entschieden wir uns für eine ganz eigene Markenstrategie. Anspruchsvoll, kreativ und mit einem eigenen Style stiegen wir in den Immobilienmarkt ein. Mehr Ideen mit wenig Kosten war das Ziel.

Heute, fast zwei Jahre später, hat sich unsere Strategie für uns bewährt. Durch eine regelmäßige Social-Media Präsenz und einer eigenen Website fern von allen Baukastensystemen oder Standardlösungen haben wir es geschafft, dass uns immer mehr Menschen kennen lernen. Von Anfang an lag der Fokus sich nicht nur lokal, sondern sich im gesamten Rhein-Main-Gebiet weiter zu entwickeln. Mit überregionalen Partnerbüros gehen wir inzwischen sogar noch einen Schritt weiter.

Liebe Leser, wie sehen Sie das in Sachen Marketingstrategie? Lieber viel Geld investieren und die halbe Stadt mit Plakaten zukleistern lassen oder lieber etwas dezenter mit etwas mehr Niveau? Schreiben Sie uns Ihre persönliche Meinung unter: info@kobra-gbr.de

Andreas Brauer - 18.09.2016